Irgendwo in diesem Betrieb steht eine Person mit großen Träumen.

Sie möchte einmal so sein wie Du.

Sei ein Vorbild.

Werde gemeinsam mit deinen Leuten

das beste Team, das in euch steckt.

Reitturnier Vorbild sein Kinder auf Reitplatz

Dieses großartige Banner mit dem Text der Deutschen Reiterlichen Vereinigung habe ich auf dem Bundeschampionat gesehen.

Das was da für den Pferdesport gedacht ist, kann genauso gut Anwendung auf Unternehmen finden.

Ich habe den Text einfach mal für Führungskräfte und Unternehmen umgeschrieben.

Führung unter der Lupe

Ein Vorbild zu sein ist für mich die effektivste und gleichzeitig schwierigste Art der Führung. Wer hat gesagt, dass Führungskraft zu sein, leicht ist? Meiner Erfahrung nach ist es schwer.

Egal, ob Unternehmerin, Abteilungsleiter oder 1. Vorsitzende im Reitverein: Jede Tätigkeit wird beäugt. Jedes Wort erhält einen anderen Stellenwert.Ein Beispiel: In einem Reitverein vergisst, die erste Vorsitzende auf dem Reitplatz abzuäppeln*. Und schon dreht sich bei manchem Mitglied die Gedankenspirale.„Natürlich, der Vorstand muss sich wieder nicht an seine eigenen Regeln halten.“  Oder „Müssen wir jetzt nicht mehr abäppeln? Da hatte ich sowieso keine Lust zu.“

Das Verhalten der Führungsperson prägt den Umgang der Belegschaft. Ich bin schon in Betriebe gekommen, da war das ganze Team von einer Niedergedrückheit erfasst, weil die Chefin vollkommen hoffnungslos war.

Wie redet der Inhaber mit den KollegInnen? Wie reagiert die Abteilungsleiterin auf meine Fragen? Äppelt die erste Vorsitzende den Reitplatz ab? … Das alles wird beobachtet und zum großen Teil auch adaptiert. Da werden ganze Arbeitsabläufe abgeschaut. Denken wir beispielsweise einmal an Baubetriebe mit Vorarbeitern und Polieren oder die Landwirtschaft mit ihrer „Wissensweitergabe durch Vormachen“ über Generationen.

Der gute Kern darin: Die allermeisten Mitarbeitenden wollen es richtig machen.

Der Wunsch „Einen guten Job zu machen“ fiel bis jetzt in jeder meiner Mediationen oder Prozessberatungen mindestens einmal.

Statt Handbüchern, Handlungsanweisungen und Guidelines zu studieren, beobachten Mitarbeitende was die Leitung tut. Das ist menschlich. In unserer Welt, in der wir oft in richtig oder falsch denken, ermöglicht die Beobachtung Orientierung. So ist es richtig und wenn du es richtig machst, gehörst du zu dieser Gruppe dazu. Adaption fördert also ebenfalls Zugehörigkeit.

Orientierung und Zugehörigkeit sind Unterbedürfnisse von Sicherheit  -dem Grundbedürfnis, das gleich nach Essen, Schlafen, Trinken kommt. Zudem ist es leichter, als sich Dinge anzulesen und ggf. zu interpretieren. Und wer von uns hat nicht gerne Leichtigkeit im Leben? All das zuvor genannte reduziert Konflikte im Arbeitsleben.

Doch zurück zur Orientierung.

Zuweilen steht ein Wunsch dahinter: Da ist jemand, der hat das schon geschafft, wo ich noch hinwill. Z.B. die Dressurtrainerin, die turniererfolgreich ist und harmonisch mit ihrem Pferd agiert. Vorbilder helfen sich zurecht zu finden, sich über die eigenen Träume klar zu werden.

Für eine Führungskraft kann das mitunter als kräftezehrend erlebt werden. Wir erinnern uns: Alles richtig machen und so. Ich glaube, es gibt in dieser Situation kein Patentrezept. Ich kann hier keine Guideline dafür schreiben. Situationen sind ebenso unterschiedlich wie Menschen.

Gleichzeitig gibt es Dinge, die es Führungspersönlichkeiten womöglich leichter machen können. Drei Schritte, die bei mir bei jeder Mediation oder Beratung drin sind, wenn es um Führung geht:

  1. Einchecken bei sich selbst: Was ist mir wichtig? Im Moment? Und generell? Was ärgert mich? Was verleiht mir Flügel? Das hilft dabei bewusst und zweckdienlich zu handeln.
  2. Man selbst sein: Wir sind Menschen. Unsere Emotionen und das, was uns wichtig ist, darf gelebt und erlebt werden. Ich glaube keiner, könnte je sagen, dass er ChatGPT als authentisch empfunden hat. Authentisch zu sein, ist das was andere unsere Menschlichkeit spüren lässt und selbigen hilft, sich ebenfalls zu zeigen.
  3. Ich bin okay – du bist okay: Es kann sein, dass wir über das Ziel hinausschießen, insbesondere, wenn wir authentisch sind. Nicht immer gefällt uns das. Nicht immer gefällt das den Mitarbeitenden. Doch es ist nur ein Ausschnitt unseres ganzen langen Lebens. Nicht das Leben selbst. Keinesfalls ist die Situation die Person. Die Zukunft können wir anders gestalten.

Ein Vorbild zu sein, ist die einfachste und schwierigste Art von Führung überhaupt.

Vorbildhaftes Handeln ist auch möglich, wenn Unvollkommenheit anerkannt wird und zukünftig (selbst-)bewusst zu gehandelt. Das Team erlebt, woran es ist. Missverständnissen wird damit der Nährboden entzogen und Vertrauen gleichlaufend gedüngt.

Und ich bin ganz sicher: Irgendwo in Ihrem Betrieb, steht mehr als eine Person, mit großen Träumen, die einmal so sein möchte wie du.

*Für Nicht-Reiter: Abäppeln bezeichnet den Vorgang des Entfernens von Pferdekot.

Sie möchten Herausforderungen strukturell angehen? Ich navigiere souverän durch Entscheidungs- und Veränderungsprozesse. Klar. Zugewandt. Ausdauernd.

Bildquelle: privat, gesehen und geliebt im Pferdesport: Bundeschampionate 2026 in Warendorf/NRW

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