„Verbindung und Verbindlichkeit“ … ist kein verschollener Jane-Austen-Roman.
Vielmehr ist es ein hochaktuelles Thema für Führung und Miteinander in der Wirtschaftswelt.
Ein Bewusstsein schaffen und wieder mehr Zuverlässigkeit erleben …
Verbindung schafft Verbindlichkeit – Verbindlichkeit schafft Verbindung.
Es sind zwei Dinge, die, wie der Wortstamm schon sagt, die einander brauchen und schaffen. Aus dem Chemie-Unterricht kennen wir die Verbindung verschiedener Elemente. In der Physik verstehen wir unter Verbindung das Zusammenfügen von Objekten, z.B. das Schweißen von Stahl. Aus der Wirtschaft kennen wir Verbindungen in Form von Kooperationen. Wir wissen, dass die Verbindung mehrerer Wirtschaftsgüter keinen Eigentumsverlust an bisher getrennten Sachen bedeutet, sondern eine klare Zuordnung.
Doch was hat es mit den Verbindungen im Zwischenmenschlichen auf sich? Und warum schafft Verbindung Verbindlichkeit und umgekehrt? Darum geht es in diesem Beitrag.
Verbindung ist ein menschliches Grundbedürfnis. Wir brauchen, die Verbindung zu uns selbst, um zu wissen wie es uns geht; wie ist unsere geistige und körperliche Verfassung ist.
In Verbindung mit anderen Personen erleben wir Zugehörigkeit. Ich denke, das ist jedem klar.
Doch auch in der Abgrenzung oder mit negativen Gedanken an andere Personen bin ich mit diesen verbunden. Ablehnung ist eine Form von Beziehung – sie bindet Aufmerksamkeit und Emotionen.
Was hat das jetzt mit Verbindlichkeit zu tun?
Die Verbindlichkeit ist ein nach außen sichtbares Zeichen für Verbindung. An Verbindlichkeit sind also Erwartungen geknüpft. Im Schuldrecht z.B. dass ich die Zahlung erhalte, für die ich eine Leistung erbracht habe. Verbindlichkeit ist essentiell, um das Bedürfnis nach Gewissheit bzw. Sicherheit zu erfüllen und somit Verbindung zu ermöglichen.
Übertragen auf unsere Beziehungen bedeutet das, dass eine Pflicht entsteht, Zugesagtes zu einzuhalten. Wir stehen zu unseren Verabredungen. Dafür benötigt es die Verbindung zueinander. Wir müssen ja überhaupt erstmal heraus zu finden, auf was wir uns einlassen möchten. Wir treten also in Beziehung zueinander.
Wird die Verbindung als positiv bewertet, d.h. sind Personen fein miteinander, stehen in gutem Kontakt fällt es leichter eine verbindliche Verabredung zu zusagen. Der Widerstandsfaktor sinkt. Die Freude am gemeinsamen Schaffen steigt und mit ihr die Chance darauf, das Einzelne und Teams wieder in den Flow kommen.
Gleichwohl ensteht im Unerfreulichen eine Verbindlichkeit durch die zuvor genannte Verbindung.Es wird vorhersehbar, dass auf eine Aktion eine Reaktion folgt. Z.B. wenn ein Mitarbeitender tagtäglich Anweisungen missachtet, kann er damit rechnen, dass sein Fehlverhalten durch die Chefin gerügt wird.
Die verbindliche Handlung, in unserem Beispiel, die Rüge, führt zu einer Verbindung miteinander.
Ich vermute mal, dass die Verbindung in diesem Fall eher negativ von den Beteiligten bewertet wird. Meine Hypothese ist, dass die anhaltende negative Bewertung der Verbindung zu einem Abbruch selbiger führen wird. Beide gehen getrennte Wege und Unverbindlichkeit tritt ein.
Verbindungsabbruch führt zu einer Zunahme an Unverbindlichkeit und damit Unsicherheit.
Es gibt Menschen die reagieren auf Verbindlichkeit mit unbewussten Abstoßungsreaktionen oder auch mit einer bewussten Entscheidung. Es scheint ein Symptom unserer Zeit zu sein, wenn man in den Medien liest, dass Restaurants über nicht wahrgenommene Reservierungen klagen, Sportvereine über wegbleibende Mitglieder oder Verbände über „No-Show-Rates“. Sicherlich gibt es gute Gründe für das „sich-alle-Optionen-offen-halten“. Das können z.B. Befürchtungen sein, gegensätzliche Gedanken, gegenläufige Tatsachen oder auch ein „Bauchgefühl“. Hier gilt es einmal zu prüfen, ob da alte unbewusste Muster anspringen oder ob es eine Handlung ist, die klarsichtig erfolgt. Letztlich ist jede Entscheidung gegen etwas, auch eine Entscheidung für etwas.
Wichtig dabei zu wissen ist, dass Unverbindlichkeit einen Verbindungsabbruch fördert.
Unverbindlichkeit verhindert das Menschen in Verbindung kommen können. D.h. das Grundbedürfnis nach sozialer Interaktion bleibt unerfüllt.
Aus meiner langjährigen Erfahrung in Mediation und Teamentwicklungen weiß ich: Wo Verbindlichkeit fehlt, entsteht Unsicherheit. Beziehungen, die als unsicher angesehen werden, sind nichts in dem wir Menschen verharren. Enttäuschung und Zweifel machen sich breit – sowohl bei der Person, die sich auf die Zusage verlassen hat, als auch bei der Person, die die Vereinbarung bricht. Wir kennen alle Schuldzuweisungen und Vorwürfe an andere und uns selbst.
Erleben wir Verbindlichkeit, stärkt es unser Vertrauen in andere Personen und uns selbst. Letztlich haben wir ja wohl etwas ganz richtig gemacht, dass unser Gegenüber sich auf unsere Verabredung einlassen kann. Sind wir auf der Beziehungsebene in guter Verbindung, schaffen wir auf der Sachebene alles. Wir wissen einfach, dass wir uns aufeinander verlassen können. Auftretende Konflikte lassen sich klären und Blockaden beseitigen.
Folglich sorgen Verbindung und Verbindlichkeit für das eigene Wohlbefinden – nicht nur beim Lesen eines Jane Austen Romans.
Oder um einen anderen Klassiker der Literaturgeschichte zu zitieren: „Wer sich alle Türen offen hält, bei dem zieht’s, mein Freund.“ (Marc Uwe Kling, Die Känguru-Chroniken, 2009).
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